Hochschulgastronomie

Fünf Mensen, weniger Störungen, mehr Energieeffizienz: Wie das Studierendenwerk OstNiedersachsen seine Kältetechnik intelligent steuert

Gemeinsam mit dem Studierendenwerk OstNiedersachsen haben wir die Kältetechnik von fünf Mensa-Standorten auf eine selbstlernende Steuerung umgestellt, von einzelnen Normalkühlräumen bis zu Tiefkühl-Verbundstrukturen. Das Ergebnis: spürbar weniger ungeplante Störungen, niedrigere Energiekosten und ein messbarer Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen des Trägers.

5

Mensa-Standorte mit intelligenter Kältetechnik

32

gesteuerte Kühl- und Tiefkühlräume

34.714€

weniger Störungskosten (10/2022–04/2025)

13,3 t

weniger CO₂ im
Jahr 2024

Projektsteckbrief

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Ausgangslage

  • Fünf Mensa-Standorte (Braunschweig Mensa 1 und 2, Wolfenbüttel, Clausthal, Hildesheim)
  • 32 gesteuerte Kühl- und Tiefkühlräume, dazu weitere 18 überwachte Räume, über mehrere Geschosse verteilt Kältemittel R449A, R134A, CO2, R513A
  • Zeitgesteuerte Abtauung; unterschiedliche Kühlstellenregler (Danfoss, Dixell, Eliwell)
  • Stoßzeiten- und sommerbedingte Vereisung, mit kostspieligen Folgestörungen
Eingesetzte Module Icon

Eingesetzte Module

  • Kühlraum-Monitoring (Echtzeit-Sensorik)
  • Intelligente Abtausteuerung
  • Intelligente Raumtemperatursteuerung
  • Anomalieerkennung und Störungsfrüherkennung

Die Herausforderung

Die Herausforderung 1
Die Herausforderung 2

Viele Räume, schwankende Last, teure Folgestörungen

Eine Mensaküche kühlt anders als ein zentrales Lager: viele kleinere Kühl- und Tiefkühlräume, getrennt nach Fleisch, Gemüse, Anlieferung und Tageskühlung, oft über mehrere Geschosse verteilt. Beim Studierendenwerk OstNiedersachsen kommt die Größenordnung von fünf Standorten hinzu, mit jeweils eigener Anlagentechnik und unterschiedlichen Kühlstellenreglern.

Zudem gibt es starke Schwankungen im Betrieb: Zur Mittagsspitze öffnen sich die Türen ständig, warme und feuchte Luft strömt ein, im Sommer arbeitet die Kälte zusätzlich am Limit. Die Abtauung lief zeitgesteuert, nach festem Takt, unabhängig vom tatsächlichen Eisaufbau. Vereisung wurde dadurch spät erkannt.

Wie teuer das werden kann, zeigt das folgende Beispiel: Unter der hohen Feuchtelast zu Stoßzeiten vereisten die Verdampfer schneller, als die zeitgesteuerte Abtauung es vorsah. Die Kälteanlage überlastete, das Sicherheitsventil löste aus, und Kältemittel ging verloren, das aufwendig nachgefüllt werden musste. Solche Folgestörungen verursachten zwischen 2020 und 2022 Kosten von rund 68.700€.

Erschwerend kommt hinzu, dass die kältetechnischen Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten, wie bei vielen öffentlichen Trägern, überwiegend bei externen Fachbetrieben liegt. Die Verantwortlichen vor Ort brauchen daher vor allem eines: verlässliche Daten, um Störungen zu verstehen und gezielt gegenzusteuern.

Die Lösung

Die Lösung 1
Die Lösung 2

Intelligente Kältetechnik, kundenspezifisch angebunden an die vorhandene Technik jedes Standorts

An jedem der fünf Standorte haben wir unsere Sensorik sowie eine Coldsense-Steuereinheit installiert, die mit der bestehenden Kälteanlage kommuniziert. Eis-, Tür- und Umweltsensoren erfassen kontinuierlich, was in jedem Raum tatsächlich passiert. Die gewonnen Daten bilden die Ausgansbasis für unsere KI-basierte Kältetechnik.

Maschinelles Lernen erkennt aus den Daten das spezifische Nutzungsmuster und steuert Abtauung und Temperatur situativ: Abgetaut wird, wenn Vereisung es erfordert, nicht nach Uhrzeit. Unnötige Kälteleistungsanforderungen an die Kompressoren werden reduziert.

Entscheidend für ein Projekt dieser Größe war die Anschlussfähigkeit an unterschiedliche Bestandstechnik. Coldsense wurde an verschiedene Kühlstellenregler angebunden, darunter Danfoss, Dixell und Eliwell. Unser System arbeitet herstellerunabhängig und ließ sich so über alle Standorte hinweg nachrüsten, unabhängig davon, wie die jeweilige Anlage aufgebaut war.

Auch die Installation richtete sich nach dem Mensabetrieb: Die elektrotechnischen Arbeiten erfolgten außerhalb der Küchenbetriebszeiten: an Ruhetagen, in Betriebsferien oder nach Küchenschluss ab etwa 15 Uhr. So wurde der laufende Mensa- und Küchenbetrieb zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt.

Sabine Herrmann

Wir konnten eine Reduktion des Stromverbrauchs von bis zu 47,9 % im Winter nachweisen. Die Daten aus den Türbewegungen unseres Kühlraums haben uns geholfen, unseren Betrieb besser zu verstehen und zu optimieren.“

Sabine Herrmann Leiterin Bau- und Betriebstechnik Studentenwerk OstNiedersachsen

Ergebnisse

Weniger Energieverbrauch und CO₂, mit Stromzählern gemessen

Über die 2024 ausgewerteten Standorte summierten sich die Einsparungen auf 32.252 kWh und 13,3 Tonnen CO₂ pro Jahr.

Deutlich weniger Störungskosten

Den größten Einzeleffekt zeigte die Mensa 1 in Braunschweig. Mit bedarfsgerechter Abtauung und früher Anomalieerkennung blieben die Folgestörungen aus, die zuvor durch Vereisung und ausgelöste Sicherheitsventile entstanden waren. Die Kosten durch technische Störungen sanken über mehrere Standorte des Studierendenwerks von rund 68.700 € (2020–2022) auf rund 33.900 € (10/2022–04/2025), eine Einsparung von gut 34.700 €.

Transparenz, die den Betrieb verständlich macht

Über alle Standorte erfasst Coldsense Tür-, Abtau- und Temperaturverhalten kontinuierlich und liefert monatliche Berichte. Damit entsteht eine Datengrundlage, die für die Bewertung von technischen Störungen besonders hilfreich ist, und die Kommunikation mit externen Dienstleistern vereinfacht. Darüber hinaus haben sich die Türöffnungsdaten als wertvoll erwiesen: Sie machen sichtbar, wie stark offene Türen den Energieverbrauch treiben, und dienen dem Studierendenwerk als konkrete Grundlage, um das Küchenpersonal zu sensibilisieren.

Stabilere Kühlräume im Alltag

Neben den messbaren Einsparungen hat sich der Betrieb spürbar beruhigt. Die Kühlräume laufen gleichmäßiger, Anomalien werden rund um die Uhr erkannt und gemeldet. Die höhere Temperaturstabilität in den Kühlräumen trägt zur Qualität der gelagerten Lebensmittel bei.

Häufige Fragen zu diesem Projekt

Über wie viele Standorte und Kühlräume läuft das Projekt?

Coldsense steuert die Kältetechnik an fünf Mensa-Standorten des Studierendenwerks OstNiedersachsen: Braunschweig Mensa 1 und 2, Wolfenbüttel, Clausthal und Hildesheim. Insgesamt sind 32 Kühl- und Tiefkühlräume aktiv gesteuert, weitere werden überwacht. Jeder Standort hat eine eigene Coldsense-Steuereinheit erhalten.

Wie wird die intelligente Kältetechnik implementiert, wenn mehrere Standorte berücksichtigt werden sollen?

Zunächst wird jeder Kühlraum individuell und im Zusammenspiel mit der Betriebstechnik analysiert. Darauf aufbauend wird die notwendige Sensorik installiert. Feldbusse dienen als Relaisstation und übermitteln die Daten an die Coldsense-Steuereinheit, die einmal pro Standort verbaut wird. Sie arbeitet herstellerunabhängig und wurde an verschiedene Kühlstellenregler angebunden, darunter Danfoss, Dixell und Eliwell. Das System ist ein Add-On an die bestehende Kälteanlage, ohne die Kältetechnik komplett umzurüsten. Die erhobenen Daten werden auf Servern mit Standort in Deutschland gespeichert, um die KI-basierte Regelung regelmäßig zu optimieren.

Wurde der Mensabetrieb während der Installation der intelligenten Kältetechnik beeinträchtigt?

Nein. Die elektrotechnischen Arbeiten erfolgten außerhalb der Küchenbetriebszeiten, an Ruhetagen, in Betriebsferien oder nach Küchenschluss ab etwa 15 Uhr. Der laufende Mensa- und Küchenbetrieb war zu keinem Zeitpunkt betroffen.

Was war das wirtschaftlich stärkste Ergebnis durch die intelligente Steuerung der Kältetechnik?

Beim Studierendenwerk OstNiedersachsen sanken die Kosten durch technische Störungen von rund 68.700 € (2020–2022) auf rund 33.900 € (10/2022–04/2025). Zuvor hatten Vereisung unter Spitzenlast und in der Folge ausgelöste Sicherheitsventile wiederholt zu Kältemittelverlust und teuren Serviceeinsätzen geführt.